2011/09/11

Jive La Mungo @ 2011-09-02

Am Freitag streikte der Strom und da ich bis auf den Gospelunterricht vormittag nichts zu tun hatte, beschloss ich einen Ausflug zu organisieren. Nachdem ich den Lonley Planet auswendig gelernt hatte, wollte ich den Jive La Mungo Viewpoint besuchen, der zu meinem Bedauern 40 km weit weg lag. Deswegen fragte ich lies, ob sie mit mitkommen und den Landrover bekommen könnte. Als das geklärt war und Rogers noch mit an Board sprang, gings los in Richtung Wildnis.

Schnell stellten Rogers und ich fest, dass Liz's Talent zum Autofahren mit ihren Lebensjahren anscheinend extrem nachgelassen hatte und ich wir überredeten sie, dass es kein Problem wäre, wenn ich das Steuer übernehmen würde. Ohne darüber nachzudenken setzte ich mich ans Steuer eines Landrovers bei Linksverkehr und weder mit internationalen noch mit nationalen Führerschein und versuchte das Monster zu lenken. Was am Anfang auf einer asphaltierten Straße noch erstaunlich leicht zu bewältigen war, änderte sich schlagartig, als wir im Dschungel unterwegs waren. Da niemand genau wusste, wo es langgang, außer das es bei dem Dorf Shume liegen soll, mussten wir andauernd nach dem Weg nachfragen. Unsere Reise führte uns vorbei an riesigen tropischen Bäumen, die ihre Wurzeln über die Strasse ragen liesen, sowie Wasserfällen und deren Bäche ebenfalls eine Zeitlang die Strasse bildeten. Die Qualität der Strasse wurde zunehmend schlechter und bald wechselte es auf einen Fusspfad aus wechselnden Gesteinsformationen. Liz sah nach der Zeit aus, als würde sie einen Herzinfarkt bekommen, gott sei Dank beherrschte Rogers das Talent Leute zu beruhigen. Obwohl es zunehmend anstrengender und dunnkler wurde im Dickihct des Dschungels, habe ich so eine beeindruckende Landschaft nur ein einziges Mals auf einem Poster bei mir zu Hause gesehen. Überall spürte man das Leben und war von einer Soundkulisse den vielseitigsten Vogelarten umgeben. Das ging gut drei Stunden so weiter, bis auf einmal der Wald endete und stattdessen eine riesige Rodung die Landschaft prägte.

Wenn man sich vorstellt, dass hier ebenfalls einmal der Wald in seiner natürlichsten Form  die Landschaft gestaltete und nun nichts als Scheben blieben, stellt man sich schon die Frage, wie sinnvoll ist der Mensch wirklich? Dieses Bild blieb über Kilometer hinweg ident, einzig die Kurven des Weges verliehen der Landschaft etwas Dynamik. Die Gegend wurde mit der Abholzung zunehmend zivilisierter und wir passierten wieder Dörfer und und Felder entlang verschiedener Bergpassagen. Als diese zu Ende waren, sahen wir Shume, zumindest Roger behauptete das.



Der Aufbau des Dorfes gestaltete sich anhand de Abholzung des Waldes.  Eine Strasse von rechts kommend führte einst durch den Wald, wodurch sich hier Holzfäller und Tischler niederliesen. Mit zunehmendem Verschwinden des Baumbestandes wurden neue Hütten errichtet, wodurch sich das Dorf sehr licht und zerstreut in die Gegend integriert. Der tiefste Punkt des Tales besteht aus Feldern, um für den Nahrungsbestand zu sorgen. An der Hauptstrasse stehen einige höherwertigere Häuser, was darauf schließen lässt, dass wieder wenige das große Geschäft machen hier.  Mit Sicherheit wird dieses Dorf einmal weiterziehen in Richtung Wald, sobald die Bäume zu weit entfernt sind.

Fraglich ist nur, was hier passiert, wenn einmal keine Bäume mehr vorhanden sind.
Schon jetzt zeichnet die Erosion überall deutliche Spuren und führt zum Abtrag der Berge und trägt zur Zerstörung des Ökosystems bei.

Gleich hinter dem Dorf ca. 2 km weiter enden die Usambara Berge mit einer umwerfenden Aussicht, genannt Jive La Mungo. Dorthin begleitet wurden wir von ca. 40 Kindern, die alle meinten sie wüssten den besten Platz mit der atemberaubenden Aussicht.



Kurzum stellten wir das Auto ab, gaben einem älteren Typen die Aufgabe auf unser Fahrzeug aufzupassen, es würde sich für ihn lohnen, meinten wir, und folgten den Strom an Kindern in die Büsche in Richtung Klippen. Wir gingen in etwa 500m beigleitet von Gesängen und Gelächter, bis wir einen Felsen erreichten der schräg auf der darunter befindlichen Felswand hinausragte. Darauf stand eine kleine Aussichtswarte, um den 300 Grad Rundumblick noch besser zu geniessen zu können. Die Ferne lies meinen Blick erstarren und vermittelte ein Gefühl von Leichtigkeit, Gesamtheit und Freiheit. Die Kinder fingen an zu tanzen auf dem Felsen, der völlig überladen war durch uns und sangen Lieder. Wir schossen noch ein paar Fotos mit ihnen, ehe wir uns wieder auf den Heimweg machten.

Am Weg zurück hörten wir dann immer öfter das Wort "money", oft auch mit strengem Unterton. Die Kinder wurden ungeduldig und dachten, sie könnten uns hier jetzt ausnehmen. Beim Auto angekommen drängten sie darum vorne zu stehen, wodurch es nur mit einem Ablenkungsmanöver überhaupt möglich war, einsteigen zu können.
Beim Fenster hinaus gab ich einem etwas Geld und meinte, sie müssen sich das teilen. Dadurch hatte ich etwas Spielraum und konnte mit dem Land Rover rangieren und mit Liz und Roger die Heimreise antreten.
Die Heimreise fuhren wir über einen anderen, zwar längeren, aber doch besser ausgebauten Weg, um Liz nicht noch die letzten Nerven zu rauben. Dieser Weg entsprach der Lebenslinie des Waldsterbens. Genau diese Strasse entlang erkannte man in welcher Richtung wie und wann abgeholzt wurde. Das gin ca. 15 Kilometer weit, wobei am Ende auch schon frischer künstlich gepflanzter Buambestand zu sehen war. Danach begann erneut der Dschungel, diesmal aber in manipulierter und planierter Form, die Strasse war erfüllt von Leben und man konnte jedem beim Nachgehen seiner täglichen Tätigkeit zusehen.



Wir fuhren durch mehrere Dörfer, bei denen sich am Marktplatz sprichwörtlich das Leben abspielte.



Pünktlich um 19:00 zum Dinner waren wir wieder zu Hause wieder mit einer Menge an Erfahrungen und Erlebnissen reicher, Strom hatten wir immernoch keinen, auch der Empfang war weg, so setzte ich mich mit einem Glas Wein an eine schöne Stelle und dachte über das Leben nach, über das was schon geschehen ist und über das was womöglich noch kommen mag.