2011/08/31

So nebenbei

Gestern war kein besonderer Tag, doch waren einige Ereignisse interessant genug, um festgehalten zu werden.

Es war sehr stressfrei, der Unterricht mit der ersten Klasse, zwsichen 18 und 22 Jahren, machte richtig Spass und es gibt sogar einige Schüler, die gerne mehr Mathematik- Unterricht mit mir hätten, was mich sehr gefreut hat. Am Nachmittag habe ich mich wieder einmal in meinem Englischbuch vertieft und im Blitztempo ein ganzes Kapitel erledigt. Dazwischen aber, und ich habe keine Wahnvorstellungen, hatte ich ein Gespräch mit einer Ziege, was ich unbedingt festhalten muss.

Die Nutztiere hier werden anders gehalten als in Österrreich, das heißt Ziegen und Kühe gemeinsam, Geschlechter spielen dabei ebenso keine Rolle. Da die Weiden hier im Dschungel eher begrenzt sind, gehen die Frauen hier mit den Tieren 2mal täglich immer eine andere Runde durch die Landschaft, wie wir Österreicher mit den Hunden. Die Freude, welche die Tiere dabei empfinden, kann man in ihren Augen sehen. Beim ersten Mal, als ich dass so wirklich mitbekommen habe, dachte ich, ich wäre in einem Kinderfilmverschnitt, wo der Hautpdarsteller eine Kuh oder so ist.

So ist es jetzt gestern passiert, dass die Gruppe bestehend aus ca. 15-20 Tieren an mir wieder einmal vorbei spaziert ist. Da die Hirten aber meistens nicht alles überblicken können, weil die Tiere sich entsprechend verteilen, kann es passieren, dass ein Tier verloren geht.

Speziell gestern geschah es, dass eine Ziege länger wo stehenblieb und sich die Gruppe von ihr zu weit entfernte. Sie schrie herum und wusste nicht, wo sie lang gehen soll, sah mich dann am Ufer des kleinen Sees der Rosminianländereien sitzen und kam auf mich zu. Sie sah mich an und fing an zu blöcken. Ich sagte ihr, dass sie sich halt nicht so lang Zeit lassen darf. Natürlich hatte sie nichts verstanden, und lief zusätzlich in die falsche Richtung weiter entlang des Sees und hielt zunehmend Auschau nach dem Rest der Weide unter ständiger Begleitung des Blöckens. Als sie niemanden fand, kam sie zurück zu mir und begann erneut mit mir zu quatschen. Irgendwie ist es mir echt so vorgekommen, als sollte ich ihr zeigen, wo die Herde lang gegangen ist, deswegen bin ich auf und in Richtung Herde gegangen. Sie hörte auf zu schreien und ging bei Fuss neben mir, bis die Herde in Sicht war. Dann rannte sie hin, ich blieb stehen und wusste nicht recht was ich denken soll, als die Ziege sich nochmal umdrehte und kurz blöckte, woraufhin die Hirtin meinte, sie hat Danke gesagt. Ziemlich eigenartiges Erlebnis finde ich...

Außerdem habe ich am Abend meine Unterkunft gewechselt in ein Hostel, weil es in dem Haus, wo ich eigentlich untergebracht bin, seit drei Tagen kein Wasser gibt und das kann mit der Zeit schon anstrengend werden, wenn man sich zwischendurch auch mal waschen möchte. Dort habe ich meine erste richtige Dusche mit heissem Wasser in Afrika genossen. Ich denke, nach dieser halben Stunde (!) hab ich mich so rein, wie schon lange nicht mehr gefühlt.

Danach habe ich einen tansanischen Streetworker, sein Name ist Vincent, dort kennengelernt, der mir sehr viel über Tansanias Vergangenheit, den enormen Sklavenhandel auf Zanzibar und Dar Es Salaam, sowie die Kolonialkriege zwischen Deutschland und England, aber auch über die Grundmentalität oder Lebenseinstellung der hier lebenden Menschen erzählt hat. Viele Orte aus seinen Erzählungen, stehen auf meinem Reiseplan und habe ich natürlich dementsprechend notiert. Dieses Land hat sehr viele verschiedene Phasen der Entwicklung durchleiden müssen, um zu sein, wo sie heute sind und trotzdem noch sehr weit entfernt vom europäischen Mindestlebenstandard.

Nebenbei ist das Haus, in dem ich eigentlich wohne, ein Haus aus der Kolonialzeit der Deutschen, was bedeutet, das es schon mindestens hundert Jahre alt ist. Es gehörte einem Herrn Hermann Zschommler, der damals hierher kam, um die Besiedelung dieser Gegend voran zutreiben. Er lies eine ordentliche Plantage erbauen, die heute den Ländereien der Rosminians entsprechen und gehören. Es gibt hier sogar einen Privatfriedhof der damaligen Hausherren, wo Herr Zschommler begraben liegt.




Mir selbst geht es prächtig, die Malaria tut mir anscheinend ganz gut, nur mit den Mosquitos habe ich ein leichtes Problem bekommen.

Ich denke, wenn man einmal derart riskante und fordernde Erlebnisse hinter sich hat, wie ich schon des Öfteren hier in Tansania und gleichzeitig erkennt wie schlecht es vielen anderen Menschen auf diesem Planeten geht, fällt man nicht mehr aus allen Wolken, wenn  mal eine Krankheit wie Malaria diagnostiziert wird. Fakt ist, dass hier jeder diese Krankheit schon sehr oft durchklebte und bei 30 Millionen Menschen in diesem Land, welche alle diese Krankheit aushalten, berührt es mich in keinster Weise so sehr, wie etwa verschiedenste Highlights im Sinne von Cholera oder Lebra. Rogers zum Beispiel fand vor einer Woche eine tote Nairobi- Fliege in seinem Nacken, was ihn sehr nervös machte. Als ich ihn fragte, was das Problem sei, erklärte er mir, dass diese Fliege zwar nicht beißt oder sticht, trotzdem ihre Außenhülle giftig ist und eine nicht vorherzusehende Reaktion herbeiruft. Jetzt läuft er mit einer ziemlichen schlimmen faustgroßen Hautirritation herum.
http://en.wikipedia.org/wiki/Nairobi_fly

Zusätzlich, so denke ich, braucht man eine gewisse Grundeinstellung zum Leben selbst, um diese Art von Reise zu starten, welche Krankheiten und Epidemien natürlich nicht außer Acht lässt.



2011/08/30

Andere Umstände


Heute Nachmittag ist Father Francis sehr früh gestartet und so konnte ich mit ihm keine Details mehr bezüglich des Hostels, welches er mir organisierte, klären. Später hat sich dann heruasgestellt, dass er der Schwester Bescheid gegeben hat, dass alles geklärt wäre für meine Ankunft, wir uns aber noch nicht über den Weg gelaufen sind.

Zu diesem Zeitpunkt war ich mir aber nicht sicher, ob ich fahren sollte, da die letzten Tage gefühlsmässig und gesundheitlich wirklich eigenartig verlaufen sind, wenn ich darüber nachdenke.

Ausserdem habe ich heute mit Liz, der einzigen anderen Volunteerin hier, gesprochen, und sie sagte mir dass sie in Lushoto in der Klinik war, weil es ihr nicht gut gehe und sich herausgestellt habe, dass sie Malaria habe. Ihre Symptome dabei waren Kopfschmerzen und Nackenschmerzen.
Da läuteten etwas die Alarmglocken bei mir, weil ich dieselben Symptome ebenfalles letzte Woche hatte. So sprach ich mit Rogers über die ganze Sitution, welcher mir erkläre, dass er in der letzten Nacht mit eigenartigen Magenschmerzen  aufgewacht sei und sich gewundert hätte, warum er die habe. Einmal mehr ein Grund, dass ich ihn bat mit mir in die 30 Minuten entfernte Montesory School zu gehen um sich checken zu lassen. Dort angekommen waren wir die einzigen, wodurch es nicht lange dauerte. Eine Weile später war es klar, ich dachte es mir schon vorher, wir haben beide Malaria mit je 2 Parasiten oder so. Das aber fand ich irgendwie gar nicht wirklich so stragisch, auch jetzt noch nicht, denn ich fühle mich überhaupt nicht schlecht, abgesehen von meinen emotionalen Schwankungen der letzten Tage. Außderm gibts an scheinend nichts, was der Manuel nicht ausprobieren muss.

Sei es wie es sei, am meisten stört mich, dass ich meine Tabletten stets genommen habe, sie aber nicht gewirkt haben, was bedeutet, ich habe mein Immunsystem vorsätzlich geschwächt um einer Krankheit vorzubeugen, die ich jetzt doch bekommen habe.
Soviel zur Schulmedizin.
Ob es eine gefährliche Art ist oder nicht konnte mir der Arzt nicht sagen, weil man das anscheinend immer erst im nachhinein erkennt, welch Ironie.
Eine Reihe von Tabletten soll dieses Problem lösen, ich bin gespannt.

Trotzdem hatte ich auch noch ein schönes Erlebnis heute, denn nach dem Check erkundeten wir das dortige Areal, was wirklich schön war und sahen in den dortigen Bäumen wirklich viele Buschbabys (das sind Affen). Sie schwingten sich von Baum zu Baum und spielten miteinander, wie ein paar Kinder. Das waren meine ersten Affen, die ich in der freien Wildbahn gesehen habe.

Meine Reise nach Tanga habe ich vorerst gecancelt, um zu sehen wie sich mein Zustand hier entwickelt. Vielmehr noch um mich auszukurieren, denn am Wochenende startet meine Safari, die ich auf jeden Fall durchziehen werde.

Das Village im Dschungel

Gestern morgen fragte mich Father Francis, ob ich Lust hätte mit ihm in ein Dorf namens Kwai mitzufahren und mir dort seine Messe anzusehen. Da es Sonntag war und ich sowieo nichts besonderes vorhatte, stimmte ich zu und wir fuhren um 9:00 Uhr morgens los in Richtung Usambara-Hochgebirge. Auf den ersten 10 Kilometern war die Strasse noch halbwegs in Ordnung, dann fing sie an, die Rallye. Wir passierten viele Dörfer und drangen immer höher und weiter in den Dschungel vor. Viele Pendler, die zu Fuß ihren Weg nach Lushoto auf den Markt bestreiten mussten, kamen uns entgegen und je weiter wir dem Ziel entgegenkamen, desto dichter wurde die Landschaft. Selbst die ersten Flüsse mit Wasserfällen sind mir hier untergekommen. Kurz vor unserem 60 km entfernten Ziel fuhren wir noch bei einem riesigen wirklich schönem und gepflegten Grundstück vorbei, dem des vorigen Präsidenten.



Angekommen in der Ortschaft war ich direkt verblüffte wie zivilisiert es hier ist, die Kirche für hiesige Verhältnisse recht groß, daneben ein Gesundheitszentrum und jede Menge neuwertige Einrichtungen. Die Gemeinde war hauptsächlich christlich und deswegen investierten hier sehr viele Communities in deren Entwicklung.
Nach einem zweiten Frühstück mit dem dort ansässigen Priester begann die Messe. Der erste Eindruck war dann doch weitaus positiver als ich es mir erwartet hätte. Der Innenraum strahlte durch verschiedene bunte Farben und die Menschen waren mit voller Begeisterung bei der Sache. Mit ganzer Kraft und Strahlen in den Augen trommelten, tanzten und sangen die Einheimschen ihre Lieder und erschuffen eine wirklich ereignisreiche Aufführung. Man sah, dass die Menschen hier an die Religion glauben und sie das Einzige ist, dass sie wirklich hält. Die Frauen putzten sich heraus und zogen die schönsten Kleider an, die Männer versuchten sich hilfsbereit einzubringen wo es nur geht. Den Ablauf der Messe kennt jeder auswendig und voller Enthusiamus strebt jeder die Perfektion an. Suaheli-Kirchenlieder klingen sehr viel mehr nach Freude, nach Begeisterung und Lebensqualität. Die Menschen versuchen sich in die Zeremonie einzubringen, wo es nur geht und die meiste Zeit, steht der Pfarrer scheinbar eher im Hintergrund. Die Dinge, die er dann doch predigt sind voller Freude und Spaß, es passierte sehr oft, dass die Menge zum lachen begann.



Ich werde zwar jetzt sicherlich nicht zum religiösen Fanatiker, trotzdem war es spannend zu sehen, dass es auch anders gehen kann.

Natürlich stand ich auch hier wieder wie ein Publikumsmagnet im Vordergrund unter dem Motte, "mzungu" und wurde die ganze Zeit über gemustert von allen Altersgruppen.

Als nach zwei Stunden (!!!) die Show vorbei war, spaziete ich noch ein wenig durch die Landschaft mit Rogers und Olivia, einer ehem Schülerin der Schule, wo ich unterrichte, bis wir wieder unsere Heimreise antraten.

Auf dem Heimweg wollte Francis noch Bohnen besorgen und so blieben wir in einem Slums, 20 km von Lushoto entfernt, stehen und zu handeln. Nachdem er sich mit einem Jugendlichen geeinigt hatte, stieg er zu uns ins Fahrzeug und wir fuhren 20 Minuten direkt durch die Slums bis die Breite des Weges zu schmal wurde. Anschließend spazierten wir gut 40 Minuten immer tiefer in die Slums hinein. Es war das erste Mal, dass ich diese Art von Lebensumständen aus direkter Nähe zu sehen bekam.  Die Häuser waren aus Erde gebaut mit einer Armierung aus Holzstöcken und einem Dach aus Stroh. Gut, bei den Masai sah ich die Wohnqualität ebenso schon, trotzdem war es hier schlimmer, den dazu kam der moderne Müll des letzten Jahrhunderts und ein disharmonisierender Umgang mit der Natur. Ich sah tote Tiere auf dem Weg liegen, daneben saßen Kinder und spielten. Ich sah Waschplätze, was das Wasser mit einer Schicht Öl bedeckt war und riesiger Löcher im Boden, wo der Müll zeitweise verbrannt wurde. Die Leute hier waren bedeckt von Schmutz und stanken extrem. Die Kinder riefen wieder alle "mzungu" und rannten uns hinterher. Die Gegend war an einem Berghang entstanden mit mindestens 60 Grad Steigung. Viele der hier wohnenden Menschen hatten nur sehr wenig Kleidung an. Angekommen beim "Landwirt" begann eine Diskussion, denn die Bohnen waren nicht trocken und hatten Ungeziefer. Das Gebäude war ebenfalls aus Erde gebaut. Es gab hier kein fliessend Wasser und keinen Strom. Die Ziegen frassen den Müll sowie auch die Hühner. Wir verliesen den Ort wieder, nachdem sie sich nicht einig wurden, es wird mir aber als ein wirklich erschreckendes Erlebnis für immer im Gedächtnis bleiben.

           übersetzt: Restaurant

Zu Hause erzählte mir der Pfarrer, dass die kommende Woche Ramadan-Ende für die Moslems ist, wo die Schüler zwei oder drei Tage schulfrei haben, genau weiß man das vorher nie, weil es in Mekka am Tag genau augerufen wird und dass es sich hierbei um ein Ereignis handle, welches in Städten mit hohem Moslemanteil ordentlich gefeiert wird. Eine Stadt davon ist Tanga, Tansanias drittgrößte Stadt mit ca. 1-5 bis 2 Millionen Einwohner. Ich machte mir mit ihm aus, dass ich während der freien Tage Tanga besuchen möchte, und vereinbarte heute Nachmittag zu starten.



2011/08/29

Der nächste Tag @ 2011-08-13

Am nächsten Tag fungierte die Direktion wie ausgemacht als Wecker und läutete um 7:00 Uhr morgens ortszeit. Nach dem Frühstück wartete ich wie mit Castro ausgemacht um 8:30 an der Rezeption abholbereit für die weitere Reise, nur kam niemand. Ich fragte an der Rezeption nach, ob eine Nachricht oder ähnliches hinterlassen wurde, aber nein nichts. So beschloss ich zu warten, es wird schon wer kommen der mich zum Busbahnhof bringt, um den richtigen Bus nach Momba zu erwischen. Ein paar Stunden später erschien dann Rashid erneut, der mich abholte. Er entschuldigte sich für die Verspätung und wir brachen auf. Wenn er gewußt hätte, wie es mir beim warten erging, hätte er sich mich Sicherheit aufrichtiger entschuldigt.

Am Busbahnhof angekommen, herrschte anscheinend das erste Mal wirklich Chaos. Jeder sprach mich an, zerrte an mir, ich solle doch in seinen Bus steigen und stresste extrem. Als Rashid einen Bus fand, drückte er mir zwei Flaschen Wasser in die Hand und sagte noch, ich soll beim Liverpool- Hotel in Mombo warten, dort werde ich abgeholt und auf keinen Fall etwas im Bus kaufen, dort sei etwas drinnen, wo ich einschlafe und dann ohne Gepäck munter werde. Toller Anfang...

Der Bus selbst war eine ziemliche Herausforderung, in Bezug auf Platzmangel, Atemnot und Verständnisschwierigkeiten. Gott sei Dank setzte ich mich dann um, zu einem Tansanier der englisch sprechen konnte. Ein paar Minuten später war ich außerdem heilfroh überhaupt einen Sitzplatz bekommen zu haben, weil der Bus so gerammelt voll war, das die Hälftge stehen musste, und wir doch insgesamt 3 Stunden unterwegs waren. Mein Rucksack war auf meinem Schoß, wo er wenigstens sicher war. Der Bus hielt alle 15-30 Minuten an, wo noch mehr Leute zustiegen. Das endete dabei das Personen sich außen dranklammerten und so mitfuhren, bzw. auf dem Dach mitfuhren. Ich fand das irgendwie witzig, konnte mich aber aus Angst meine Kamera zu "verlieren", nicht dazu überwinden, ein Foto zu machen. Zusätzlich passierte der Bus auch Haltestationen, wo Verkäufer ihre Waren anpreisen konnten, meist Früchte wie Passionfruit, Gooseberry oder Advocados oder Wasser. Geheuer war mir das aber alles nicht, ich wollte eigentlich nur ankommen.

 Laut Castro sollte ich um 14:00 in Mombo abgeholt werden, wo wir um 14:30 am Busbahnhof ankamen, natürlich weit und breit kein Liverpool-Hotel zu sehen. Da es mir auch langsam wurscht war alles, so fertig wie ich war, fragte ich nach dem nächsten Taxi, das echt "zufällig" genau vor mir stand und fragte nach dem Liverpool-Hotel. Erstaunlicherweise war alles kein Problem, also stieg ich ein und wir fuhren los, eigenartigerweise sah dieses Fahrzeug aber echt nicht wie ein Taxi aus, zusätzlich fuhren wir wieder die Strecke zurück aus der Stadt hinaus. Als ich es dann mit der Angst zu tun bekam, waren wir dann auf einmal da. Die Tafel vor mir, auf welcher Liverpool-Restaurant stand, zauberte ein Lächeln in mein Gesicht. Ich gab dem Taxifahrer 4000 Tsh, das sind umgerechnet 2€ und bedankte mich recht herzlich. Er erklärte mir noch, ich solle mich ins Restaurant setzen, das wäre sicherer und ich erwiderte, danke aber ich werde schon abgeholt.

Irgendwie war der Spaß aber wieder nicht vorbei, weil niemand auf mich wartete. Also setzte ich mich wieder einmal hin, natürlich ins Restaurant und wartete. Das Ambiente dort machte den Anschein einer Raststation mit SB-Büffet, ich wagte es aber nicht mich vom Fleck zu rühren. Vor dem Restaurant passierten immer wieder Reisebusse den Weg, viele machten auch halt und kehrten ein.

Nach einer Stunde machten mir ein paar Jugendliche aus Kenia, so fand ich zumindest mit meinem Lonley Planet heraus, dann doch etwas zu schaffen mit ihren fragenden und suchenden Blicken. Zusätzlich kam ich mir ziemlich strange vor, da mich wirklich jeder die ganze Zeit über musterte und niemand auftachte, um mich abzuholen. Als es mir dann zuviel wurde, nahm ich meinen Rucksack und ging hinaus ins Freie. Dort fragte ich mich dann vorsichtig durch nach einer Möglichkeit zum Internet. Verstanden hat mich niemand, aber ich wurde von ein paar alten tansanischen Frauen eingeladen an einer Imbissbude Platz zu nehmen. Sie sahen relativ vertrauenswürdig aus, so bin ich mein Risiko eingegangen und wartete dort weiter. Als es mir dann schon echt zu lange dauerte, gefühlsmässig den halben Tag, kam dann doch noch Gott sei Dank Father Ambrosi, der mich abholte.

Wir fuhren daraufhin wieder nach Mombo auf den Marktplatz, ein paar Kleinigkeiten besorgen, und ein Pfarrheim besuchen. Die Bewohner des Pfarrheims waren sehr freundlich und spendierten mir gleich ein Bier. Bei ihren Gesprächen konnte ich leider nicht mithalten, so gut waren meine Suaheli-Kenntnisse auch noch nicht. Anschließend am Marktplatz lies Fa. Ambrosi mich beim Wagen zurück und besorgte ein paar Dinge.



Nach einiger Zeit wurde mir ein wenig langweilig, deswegen begann ich aus dem Toyota Pathfinder heraus Fotos zu schießen. Das erregte die Aufmerksamkeit von einigen Kindern. Ein ca. 6 Jahre alter Junge kam herbei und schaute mich fragend an. Als ich ihn fragte, ob ich ein Foto machen könnte, wollte er Geld dafür. Ich gab ihm 1000 Tsh und er lief mit einem unverständlichen Gebrüll davon und freute sich, mich reingelegt zu haben. Ein weiteres Kind probierte es dann ebenfalls, doch war ich diesmal klug genug zuerst das Foto zu machen.



Trotzdem erregte diese Situation die umgebende nächstgelegende Öffentlichkeit und binnen einer halben Minute standen 40 Kinder um mich herum. Da ich für das Foto ausgestiegen war, bekam ich es mit einem unangenehmen Gefühl zu tun und begab mich wieder ins Fahrzeug. Die Kinder waren aber so anhänglich, dass es mir nicht möglich war, die Türe zu schließen. Es wurden immer mehr, und sie durchbohrten mit Blicken immer mehr das Fahrzeuge auf der Suche nach etwas Kostbarem. Ich verschloss die Türen von innen und versuchte Ruhe zu bewahren. Die Erwachsenen, die auf dem Marktplatz mitbekommen hatten, was sich hier abspielt, begannen mit zu reden und zu lachen, wodurch sich natürlich wiederum noch mehr Nervousität in mir breit machte. Ich war so heil froh, als dann Father Ambrosi kam und die Situation auflöste, dass ich ihm deswegen ein Bier ausgeben wollte.

Nachdem alles erledigt war, fuhren wir zum ersten Ziel meiner Reise, Kwalukonge, wo die Rosminians, eine katholische Gemeinschaft, eine Art Spital errichtet haben und wo auch das sogenannte Eye- Camp stattfand.
Auf dem langen Weg zum Eye- Camp verliesen wir immer mehr die Zivilisation, vorbei an Sisal-Feldern und vorbei an Eingeborenendörfern über ein Pfarrheim und eine Art Kloster der Rosminians.

Am Landgut angekommen waren wir weit weg vom Leben mitten im Nirgendwo. Der Boden bestand aus rotbraunem ausgetrocknetem Lehm und um uns herum nur ausgetrockente Büsche. Wilde Hunde spielten im Müll, der einmal in der Woche verbrannt wird und Geckos, Salamander und Co. verbreiteten Unruhe im Gebüsch. Gerhard, mit dem ich die Reise organisert habe und Andrea empfingen mich herzlich und mit einem echt guten gemeinsamen Abendessen und ein paar Bier gings in einer recht ansehnlichen & relativ neuen Lehmhütte ab ins Bett.

Der erste Eindruck @ 2011-08-12

Der Flug nach Tansania war sehr angenehm, die Boing sehr groß mit 9 Sitzen in einer Reihe und ich kam ein wenig zur Ruhe. Kurz vor unserem Ziel meldete sich der Pilot und teilte uns mit, dass wir nun um den Kilimandscharo fliegen, welcher zufällig aufgrund der guten Wetterbedingungen sogar vom Flugzeug aus zu sehen sein soll. Dabei handelt sich anscheinend um ein Ereignis, welches nicht so oft zu sehen ist, denn in diesem Moment sprangen alle auf und liefen zu den Fenstern. Der Anblick dieses Vulkanes war sehr anmutig versetzt durchaus in Staunen.

Am Kilimandscharo Airport gelandet, stand ich den halben Tag wegen der Visa an, und eine halbe Stunde wegen der Gelbfieberkontrolle. Als dann alles erledigt war, freute ich mich endlich mein Gepäck holen zu können und ins Hotel zu kommen. Das stellte ich mir auch einfacher vor, als es dann war, denn mein Gepäck wurde durchsucht und einige Dinge fehlten, wie zum Beispiel mein Schlafsack. :-(
Gott sei Dank war mir das alles nicht so wichtig, denn retour bekommen würde ich sowieso nichts mehr.
Beim Hinausgehen dann der erste richtig schöne Moment. Es stand jemand da mit einem Schild in der Hand, wo mein Name draufstand. Ein Handlanger der mich nach Moshi bringen sollte in ein Hotel wo ich den restlichen Tag verbringe, bevor es weiter geht.

Wir machten uns auf den Weg in einem Geländewagen fuhren gut eine Stunde nach Moshi auf einer sogar asphaltierten Hauptstrasse. Das erste, was mir auffiel, war der Linksverkehr inklusive Suizide-Empfinden beim Autofahren. Das Land sieht hier größtenteils sehr trostlos aus, es ist nichts grün und die Zivilisation scheint weit entfernt. Das erdrückend heiße Klima erzeugt hier eine Unmenge an Windhosen, welche sehr beeindruckend sind und ich vorher noch nie gesehen habe. Sie entstehen komplett wahllos und machen eine Menge Wirbel um Nichts. rotzdem sieht das so aus, als würde das Land von irrsinnig vielen Tornados heimgesucht werden.



Die Einheimischen stehen an der Strasse und verkaufen Früchte und Gemüse, die sie auf dem Boden stapeln. Entgegengekommen sind uns auf der Strasse nur sehr wenig Autos, hauptsächlich vollgestopfte Busse und Lastwagen sind hier unterwegs.



Umso weiter wir nach Moshi kamen, desto grüner wurde dann auch die Landschaft. Ich sah viele Leute ihre Arbeit verrichten, hauptsächlich in Bezug zur Landwirtschaft und auf dem Boden. Immer wieder fielen mir große Rinderherden auf, die durch den Viehtrieb enormen Staub aufwirbelten.

In Moshi angekommen, sah es zunächst zivilisierter aus, als ich angenommen hatte. Gerade Strassen, die Hauptstrasse sogar asphaltiert, teilten wie üblich konzentrische Gebäudegruppen. Die Strassen waren zwar nicht plan, aber doch irgendwie befahrbar.

Doch der erste Eindruck trügt meistens und umso tiefer wir in die Stadt eindrangen, desto mulmiger wurde mein Gefühl. Irgendwann hielten wir dann an einem Hotel, welches einen eerstens sehr guten Eindruck machte und zweitens einen Security beim Eingang stehen hatte. Die Leute waren sehr freundlich und haben sich gleich um mich gekümmert und mir sogar ein Zimmer mit Fernseher gegeben. Es gab zwar warmes Wasser, aber das war typisch österreichisch gesagt nur ein "Lackerl".

Nachdem ich mein Gepäck dort abgeladen habe, erlebte ich gleich die erste ziemlich strange Situation. Ein Einheimischer fragte mich, ob er und seine Freunde in meinem Zimmer fernsehen können, weil es angeblich der einzige sei. In dem Moment ruf die Rezeption an und verlangte nach mir. In der Hitze des Gefechts fiel mir nichts besseres ein, als ja klar zu sagen und hinterließ auf meinem Weg hinunter in den Foyer 5 Schwarzafrikaner in meinem Zimmer. Unten angekommen wartete Castro, der Organisator meines Transportes nach Kwalukonge, und wollte mit mir sprechen, bzw. mir erklären wie die Reise weitergehe.

Im Zuge dessen fragte ich ihn auch gleich, ob es möglich sei noch die Stadt anzuschauen. Nach kurzer Überlegung telefonierte er kurz und erwiderte dann, ja natürlich ginge das, in ein paar Stunden komme eine Begleitperson vorbei, mit der ich die Stadt erkunden kann.
"Na super", dachte ich mir, "hier kann ich nicht einmal alleine vor die Türe gehen."

Als ich dann wieder in mein Zimmer hoch ging kam mir schon der Herr von vorhin entgegen und bedanke sich recht herzlich fürs fernsehen. Da fing ich an zu denken und bekam ein ziemlich ungutes Gefühl wegen meinen Sachen. Gefehlt hat aber nichts. doch vorsichtiger sollte ich trotzdem in Zukunft sein, dachte ich mir.

Später holte mich Rashid ab und erforschten Moshi. Beim Verlassen des Hotels lbickte ich direkt auf den Kilimandscharo.



Die Stadt hat ungefähr 500.000 Einwohner und ist Chaos pur. Das erste was ich erfuhr ist, "wir gehen rechts, denn links fangen die Slums an, da wollen wir bestimmt nicht hin", meinte er. Meine gedankliches Kommentar dazu: "Ich dachte, da wären wir schon"! Jedenfalls gings ziemlich wild zu auf den Straßen, und ich fiel als Europäer auf wie ein Magnet. Jeder starrte mich an. Wir gingen am Marktplatz vorbei und sprachen über verschiedenste Dinge, Sahen uns die Moshee an und kehrten in eine einheimische Bar ein. Währenddessen fiel mir auf, dass es hier extrem schnell dunkel wird, binnen einer halben Stunde wechselte es von Tag auf Nacht, wo ich dann sehr froh war, jemanden bei mir zu haben, denn zurück ins Hotel gefunden hätte ich in diesem Choas nicht mehr.

Zurück im Hotel, setzte mich ins Restaurant und wollte etwas essen. Der Chef des Hauses empfahl natürlich, wie sollte es anders sein, Fleisch. Als ich ihm erklärte, dass ich kein Fleisch esse, empfahl er mir Sato, eine Spezialität in dieser Region. Sato war ein riesiger extrem furcheinflössender Fisch, der wie sollte es anders, mit der Hand gegessen wird. Mein erstes Mahl in Tansania war wirklich köstlich und kostete "nur" schlappe 11 Euro, die wirklich billig waren für diese Spezialität in Moshi, was ich später noch herausfand.
Völlig geschafft fiel ich dann ins mit Mosquitonetz verkleidete Bett und schlief ein.

2011/08/27

Addis Abeba @ 2011-08-12


Sieben Stunden später landeten wir in Äthiopien auf dem Flughafen Addis Ababa International Bole. Die Zeit war hier sehr kurz, eine Stunde später startete schon der nächste und letzte Flieger.

Trotzdem erlebte ich hier meinen ersten richtigen Kulturschock, als ich sah, dass vier Fünftel aller Passagiere, die weiterfliegen nach Tansania, Schwarzafrikaner sind, davon die eine Hälfte aussieht wie Terroristen in Filmen und die andere aus Nonnen und Priestern bestand. Natürlich war mir bewusst, dass es sich dabei auch um ein Vorurteil meinerseits handelt, trotzdem machte es mich nervös, wenn die halbe Welt meint, es sei sehr gefährlich in Tansania und zusätzlich die wenigsten die englische Sprache beherrschten.

Das Klima war trocken und zusätzlich heiß und ich war froh als ich im Flieger saß mit Air Conditioning und meinem Ziel nicht mehr fern war.

Rome @ 2011-08-11


In Rom angekommen, brauchte ich abermals etwas länger, um mich zu orientieren und den rechten Weg zu finden. Mein Gepäck sollte ich erst in Tansania wiedersehen, trotzdem kontrollierte ich die Gepäckausgabe und Zeit hatte ich ja sowieso, die nächsten 5 Stunden würden ein paar der Längsten meines Lebens werden.

So begann ich damit den richtigen Terminal und Schalter zu finden, um etwaigen Schwierigkeiten gleich vorzubeugen und gönnte mir danach eine Flasche italienischen  Wein samt Pizza. Das dauerte gerade einmal eine halbe Stunde bis mir langweilig wurde und ich müde in die Leere starrte.

Als ich auf einer Bank saß, kam ich dann doch mit Shien-Thui, einer Nordvietamesin kommend aus New York, in ein nettes Gespräch und konnte in einem netten Gespräch die Zeit totschlagen, bis ich wieder meinen Weg nach Afrika antreten konnte.

Im Flugzeug sitzend, konnte ich dann noch den Sonnenaufgang beobachten bis ich erneut in den Schlaf fiel.

Die nächsten Hürden @ 2011-08-11

Leise aber immer lauter werdend hörte ich die Melodie von Vangelis's Oxygen in meinem Kopf, als mir schlagartig bewusst wurde, ich sollt jetzt echt was tun, sonst ist der nächste Flug auch noch weg.
Aufgesprungen, restauriert und raus auf die Strasse in voller Montur. Den Bahnhof erreicht, stand der Shuttlebus schon bereit, nur die Abfahrt verzögerte sich um eine halbe Stunde wegen Bauarbeiten oder so. Aber dem nicht genug, denn nach einer längeren Fahrt und dem Finden des Terminals kam ich zur nächsten Hürde.

Mein zweiter Flug, den ich über Opodo buchte, war ein One-Way Ticket nach Kilimanjaro Airport, welches wahrscheinlich nicht kurzfristiger zu organisieren möglich gewesen wäre. Dieser Standpunkt hat Opodo etwas stutzig gemacht und deshalb eine Lichtbildausweisung per mail verlangt. Nur ist dieses mail um fünf Uhr morgens deselben Tages gekommen, wo ich gerade im Zug in Deutschland herumfuhr. Weil keine Antwort eingetroffen ist, wurde das Ticket natürlich umgehend blockiert, weshalb erstens kein Einchecken möglich war und zweitens extreme Spannung am Flughafen in der Luft lag. Spannung, die ich jedes Mal bemerkte, wenn ein Mitarbeiter des Flughafens was mit meinem Ticket unternehmen wollte.
Da nichts geholfen hat, setzte ich mich auf eine Bank und checkte die mails und siehe da, ich fand das Problem. Kurzerhand fotografierte ich meine Visa, etc. und schickte die Fotos per mail vom handy aus
 an opodo. Das Ticket wurde dann zwar wieder entsperrt, trotzdem klappte das einchecken aber nicht. Also wieder zurück zum Schalter und weiter diskutieren. Glücklicherweise bekam ich es dort mit einem so netten Mitarbeiter zu tun, der mich gleich bat mit zu kommen, es würde alles geklärt werden. Das wurde es dann auch, denn wegen meiner Ticketprobleme und Flugangwohnheiten wurde ich als potenziell gefährlich eingestuft und komplett, wirklich komplett gefilzt. Sogar meine Wanderschuhe wurden gescannt. Als ich dann auch schon langsam beim aufgeben war und mir dachte, es soll wohl nicht sein, hieß es dann auf einmal, dankeschön, sie können gehen, sogar gleich den direkten Weg zum Gate ohne lästige Kontrollen ;-). Dieser Hoffnungsschimmer verleihte mir wieder Mut frei nach dem Zitat:

                                                          "Aller Anfang ist schwer!"

Als das Flugzeug vom Boden abhob und ich es bemerkenswerterweise geschafft habe, drin zu sitzen, erkannte ich, dass sich meine Reise nun in eine nächste Ebene verlagert und ich fing an mich über alles was passiert ist und passieren wird zu freuen. Dieser Moment war für mich irgendwie sehr wichtig, denn mit diesem hat alles erst wirklich begonnen.

Munich @ 2011-08-11


In München angekommen, war mein einziger Wunsch einzig und allein einen Schlafplatz zu finden, was ich aber als Erstes in diesem von massenhaft überfüllten in die Arbeit pendelnden Menschen und doch schönem monumentalem Bahnhof entdeckte, war möglicherweise eine der besten Nussschnecken meines Lebens. Die hat mir die nötige Kraft gegeben, dass nicht jetzt schon alles schief läuft.

Nachdem der Shuttletransfer zum Flughafen gecheckt war, gings ab ins nächste 10 minütig entfernte Hostel mit fast 20 kg Gepäck am Rücken. Dort hatten sie leider kein Bett mehr frei, so gings ins nächste wieder 15 Minuten entfernte Hostel weiter. Vorbei an nagelneuen Industriebauten und frisch sanierten klassischen Bauwerken und dazwischen durchzogen surrealistisch immer wieder gewaltige Bahngleisformationen das Stadtbild, als würde es sich dabei um einen Fluß handeln. Die Gegend erinnerte mich etwas an einen Hybriden aus unserem Regierungsviertel in St. Pölten und einer viktorianischen Altstadt. Im Hostel angekommen holte mich aber der Rezeptionist sofort wieder auf den Boden der Realität zurück, Deutschland ist kein Land der offenen Arme, sondern mehr der unbedingt einzuhaltenden Regeln. Trotzdem ist es mir, obwohl ich zu so ungewöhnlichen Zeiten ein Zimmer beanspruchte, nach einiger Zeit gelungen für 8 Stunden ein Dorm zu bekommen, wo ich zu meinem Glück sogar duschen konnte. Bezahlt habe ich trotzdem den vollen Preis, was solls, was tut man nicht alles fürs Wohlbefinden. Mit Nervosität im Bauch und Wehmut im Herzen, das erste Mal alleine Österreich zu verlassen und das für volle 2 Monate, fiel ich dann tot müde ins Bett.

2011/08/24

Like a Dream

Heute war mein zweiter Unterrichtstag in Mathematik an der Rosminian Technical School und zusätzlich einer der wahrlich eindrucksvollsten Tage meines Lebens!

Nachdem ich erneut am Vormittag 3 Stunden lang Arithmetik, Algebra und Geometrie in der 2. Oberstufe unterrichtet habe und mir wieder einige Seiten des heiß ersehnten Englishbuches reingezogen habe, habe ich mich mit Roggo, ein Tansanier, den ich kennengelernt habe, auf den Weg gemacht, einen der schönsten Aussichtspunkte Afrikas zu besuchen. Vorbei an den Ländereien der Rosminians liesen wir das zivilisierte und "bevölkerte" Zentrum der Usambaraberge hinter uns, auch benannt als Town Lushoto, und wanderten hinein in die Wälder. Unser Weg führte uns vorbei an riesigen Bananenwäldern, überirdisch hohen Bäumen (geschätzt 60 Meter hoch!!!) und vielen einheimischen Dörfern. Der Weg, schon fast dauerhaft gekennzeichnet als sichtlich sandiges rotbraunes Flussbett, welcher zugleich als Verbindungstraße der Dörfer diente, begleitete uns dabei. Wir gingen einige Kilometer mit afrikanischen Kindern, welche ihren Spass dabei hatten, mit uns Spässe zu treiben und sahen Bauern dabei zu, wie sie ihre Feldarbeit verrichteten. Wir passierten viele Communities, das Biological Diversitiy Reserve, das Irente Waisenhaus, und sogar eine Schule für blinde Menschen, sowie ein Kloster. Im Hintergrund immer wieder die typsichen Laute der Buschbabys und das Geschrei vieler verschiedenster Vogelarten und Insekten. Um so weiter wir uns von Lushoto entfernten, desto rapider sanken die Lebensumstände, wie die Beschaffenheit der Häuser und das Vorhandensein von Elektrizität. Fahrzeuge sahen wir hier keine, gelegentlich kam uns ein Motorrad entgegen.

Da es hier in Tansania sehr früh und das auch sehr rasch dunkel wird, beeilten wir uns, um nicht in der Dunkelheit den Heimweg antreten zu müssen, was eines der gefährlichsten Dinge ist, was einem hier passieren kann, wenn man nicht genau weiß, wo es lang geht und wer hier lebt. Als es dann soweit war und wir erkannten, dass hinter den nächsten Bäumen keine Berge mehr zu finden waren, war es dann doch schon 17:30, sprich wir haben den halben Nachmittag gebraucht um hierher zu gelangen und die Sonne verschwindet um 18:30 hinter den Bergen! Dieser Umstand störte aber nicht im geringsten als ich sah, was ich sah.

Ein derart umwerfendes Panorama, so unbeschreiblich schön und überwältigend, dass ich es nicht in Worte fassen kann! Ich dachte, nein ich war mir zu Beginn fast sicher, ich kann ganz Afrika von diesem Punkt aus sehen. Ein Fels, genannt Irente, am Scheitelpunkt zwischen einem Gebirgsmassiv, genannt Usambaraberge und einem Tal, welches mit Sicherheit 100 Kilometer in die Ferne ging und einen Kilometer in die Tiefe. Dieser Anblick alleine war diese Reise schon wert, so sehr berührt es. Wäre es nicht die Atmosphäre selbst, die einem in der Ferne die Sicht versperrt, könnte man ganz Tansania erspähen. Selbst Roggo hat dieser Anblick so gepackt, dass er seine Eltern anrufen musste.
Links und Rechts blickte man entlang des Gebirgsmassives auf 2500 Meter Höhe und vor einem das gelobte Land Afrika, die ewige Steppe mit allem was dazu gehört, die völlig durcheinander angelegten und mit einem Minimum an Lebensqualität ausgestatteten Dörfer und eine EINZIGE Strasse, genannt die Kilimanjaro Road, welche Moshi, DIE Stadt am Fusse des Kilimanjaro und Dar Es Salaam, die inoffizielle Hauptstadt Tansanias mit 4,5 Millionen Einwohner, verbindet und die Infrastruktur des halben Landes darstellt.
Diesen Moment werde ich mit Sicherheit mein ganzes Leben nicht vergessen. Die Aussicht war derart atemberaubend, dass wir völlig die Zeit übersahen und selbst der Sonne noch entgegen blickten, wie sie hinter dem Horizont in weiter Ferne verschwand.

Als wir uns auf den Rückweg begaben, war es schon beinahe dunkel. In den Wäldern Tanzanias ist es schwer  nach Einbruch der Dunkelheit, die eigenen Schuhe zu sehen. Es gibt nirgends ein Licht und ununterbrochen begegnet man Einheimischen, wo man nicht weiß, in welche Richtung ihre Gedanken wandern. Trotzdem waren unsere Befürchtungen unbegründet denke ich, zumindest erlebten wir keine dementsprechende Situation und nicht zuletzt war es möglicherweise (zumindest für mich) das Beste was hätte passieren können, denn mit dem Anbruch der Dunkelheit begann die Insektenwelt ihre Pracht zu entfalten. Die Buschbabys wurden aktiv und brüllten durch den ganzen Wald, zusätzlich hörte man ihre Bewegungen ständig an einer anderen Stelle, blinkende Glühwürmchen betteten einen Sternenhimmel aus Tausend und einer Nacht, so als flogen überall Sterne um einen herum und grell-grün leuchtende Raupen (!!!) führten unsere Augen auf dem Terrain.
Und als Roggo und ich auch noch über Sternschnuppen und Astronomie zu reden begonnen, wanderte mein Blick in Richtung Sterne, wo meine Euphorie erneut einen so unbeschreiblichen Höhepukt erlebte, dass ich schlagartig stehenbleiben musste.
Noch nie zuvor habe ich diese Unmenge an Sternen am Himmel erblicken können, durchschnitten von einem der wahrscheinlich pysikalisch unerklärlichsten und optisch eindrucksvollsten Phänomene überhaupt, der Milchstrasse! Ich hätte mir nicht vorstellen können, wie schön man sie von hier aus sehen kann, hätte sie sich nicht direkt vor meinen eigenen Augen in voller Pracht entfaltet.

Ich fühlte mich wie in einem Fantasy-Epos, die ewige Aussicht wie in Herr Der Ringe und der Himmel wie in Star Wars. Wenn ich nicht in der Dunkelheit durch die unebene Strasse hingefallen und mir blaue Flecken geholt hätte, würde ich jetzt denken, das war ein Traum.

Resultat aus diesem Erlebnis ist, ich werde am Freitag erneut den Irente View besteigen, dann aber bei Sonnenaufgang.



2011/08/11

Die ersten Hürden


Liebe temporäre Wegbegleiter meines Lebens,

Viele Reisen beginnen voller Emotionen und Nervosität, mir ist das anscheinend zu wenig. Meine Sachen sind gepackt und ich bin nun unterwegs Richtung Tansania. Anscheinend war mir die Hinreise aber unterbewusst etwas zu banal und einfach und deswegen sitze ich jetzt im Zug nach München und nicht im Flieger nach Tansania (what the f***)

Der Grund dazu:
Viele Menschen machen einen Fehler nur einmal in ihrem Leben, ich gehöre anscheinend nicht dazu, weil ich meinen Flug versäumt habe, und wer sich auskennt weiß natürlich, dass es sich hierbei gleich um einen Tag handeln muss.

Und weil es so natürlich viel spannender ist, fahre ich gerade jetzt erstmal mit dem Euronight nach München und anschließend startet mein Flieger um 18:30 in Richtung Tansania mit Aufenthalt in Rom und Adebbis (Äthiopien). Spannend wird das allemal, weil ich erst am 13.08 12:30 Ortszeit dort ankommen werde, dazwischen einen Terminal-Marathon hinlegen kann und dann den Anschluss an Gerhard finden muss, der sich entweder dort am Airport oder aber auch im 260 km entfernten Kwalukonge aufhält. Genau bin ich mir da nicht so sicher, weil laut Plan am 13.08 am Morgen Abreise gewesen wäre und ich nur stückweise entziffern konnte, was vorher am Telefon zwischen uns gesprochen wurde. Sehr gut ist aber, dass ich weiß, wo Kwalukonge liegen könnte und schlecht ist, dass ich noch keine Ahnung habe, wie die Lage vorort am Airport ausschauen wird, bzw wie ich eine Fahrgelegenheit finden könnte. Aber das wird sich alles weisen, wenn ich einmal dort bin. ;-)

Trotzdem könnte es psychisch und physisch bei mir fast nicht besser aussehen , immerhin bin ich endlich einmal in Bewegung kommen, wenn auch etwas verspätet....