Es war sehr stressfrei, der Unterricht mit der ersten Klasse, zwsichen 18 und 22 Jahren, machte richtig Spass und es gibt sogar einige Schüler, die gerne mehr Mathematik- Unterricht mit mir hätten, was mich sehr gefreut hat. Am Nachmittag habe ich mich wieder einmal in meinem Englischbuch vertieft und im Blitztempo ein ganzes Kapitel erledigt. Dazwischen aber, und ich habe keine Wahnvorstellungen, hatte ich ein Gespräch mit einer Ziege, was ich unbedingt festhalten muss.
Die Nutztiere hier werden anders gehalten als in Österrreich, das heißt Ziegen und Kühe gemeinsam, Geschlechter spielen dabei ebenso keine Rolle. Da die Weiden hier im Dschungel eher begrenzt sind, gehen die Frauen hier mit den Tieren 2mal täglich immer eine andere Runde durch die Landschaft, wie wir Österreicher mit den Hunden. Die Freude, welche die Tiere dabei empfinden, kann man in ihren Augen sehen. Beim ersten Mal, als ich dass so wirklich mitbekommen habe, dachte ich, ich wäre in einem Kinderfilmverschnitt, wo der Hautpdarsteller eine Kuh oder so ist.
So ist es jetzt gestern passiert, dass die Gruppe bestehend aus ca. 15-20 Tieren an mir wieder einmal vorbei spaziert ist. Da die Hirten aber meistens nicht alles überblicken können, weil die Tiere sich entsprechend verteilen, kann es passieren, dass ein Tier verloren geht.
Speziell gestern geschah es, dass eine Ziege länger wo stehenblieb und sich die Gruppe von ihr zu weit entfernte. Sie schrie herum und wusste nicht, wo sie lang gehen soll, sah mich dann am Ufer des kleinen Sees der Rosminianländereien sitzen und kam auf mich zu. Sie sah mich an und fing an zu blöcken. Ich sagte ihr, dass sie sich halt nicht so lang Zeit lassen darf. Natürlich hatte sie nichts verstanden, und lief zusätzlich in die falsche Richtung weiter entlang des Sees und hielt zunehmend Auschau nach dem Rest der Weide unter ständiger Begleitung des Blöckens. Als sie niemanden fand, kam sie zurück zu mir und begann erneut mit mir zu quatschen. Irgendwie ist es mir echt so vorgekommen, als sollte ich ihr zeigen, wo die Herde lang gegangen ist, deswegen bin ich auf und in Richtung Herde gegangen. Sie hörte auf zu schreien und ging bei Fuss neben mir, bis die Herde in Sicht war. Dann rannte sie hin, ich blieb stehen und wusste nicht recht was ich denken soll, als die Ziege sich nochmal umdrehte und kurz blöckte, woraufhin die Hirtin meinte, sie hat Danke gesagt. Ziemlich eigenartiges Erlebnis finde ich...
Außerdem habe ich am Abend meine Unterkunft gewechselt in ein Hostel, weil es in dem Haus, wo ich eigentlich untergebracht bin, seit drei Tagen kein Wasser gibt und das kann mit der Zeit schon anstrengend werden, wenn man sich zwischendurch auch mal waschen möchte. Dort habe ich meine erste richtige Dusche mit heissem Wasser in Afrika genossen. Ich denke, nach dieser halben Stunde (!) hab ich mich so rein, wie schon lange nicht mehr gefühlt.
Danach habe ich einen tansanischen Streetworker, sein Name ist Vincent, dort kennengelernt, der mir sehr viel über Tansanias Vergangenheit, den enormen Sklavenhandel auf Zanzibar und Dar Es Salaam, sowie die Kolonialkriege zwischen Deutschland und England, aber auch über die Grundmentalität oder Lebenseinstellung der hier lebenden Menschen erzählt hat. Viele Orte aus seinen Erzählungen, stehen auf meinem Reiseplan und habe ich natürlich dementsprechend notiert. Dieses Land hat sehr viele verschiedene Phasen der Entwicklung durchleiden müssen, um zu sein, wo sie heute sind und trotzdem noch sehr weit entfernt vom europäischen Mindestlebenstandard.
Nebenbei ist das Haus, in dem ich eigentlich wohne, ein Haus aus der Kolonialzeit der Deutschen, was bedeutet, das es schon mindestens hundert Jahre alt ist. Es gehörte einem Herrn Hermann Zschommler, der damals hierher kam, um die Besiedelung dieser Gegend voran zutreiben. Er lies eine ordentliche Plantage erbauen, die heute den Ländereien der Rosminians entsprechen und gehören. Es gibt hier sogar einen Privatfriedhof der damaligen Hausherren, wo Herr Zschommler begraben liegt.
Mir selbst geht es prächtig, die Malaria tut mir anscheinend ganz gut, nur mit den Mosquitos habe ich ein leichtes Problem bekommen.
Ich denke, wenn man einmal derart riskante und fordernde Erlebnisse hinter sich hat, wie ich schon des Öfteren hier in Tansania und gleichzeitig erkennt wie schlecht es vielen anderen Menschen auf diesem Planeten geht, fällt man nicht mehr aus allen Wolken, wenn mal eine Krankheit wie Malaria diagnostiziert wird. Fakt ist, dass hier jeder diese Krankheit schon sehr oft durchklebte und bei 30 Millionen Menschen in diesem Land, welche alle diese Krankheit aushalten, berührt es mich in keinster Weise so sehr, wie etwa verschiedenste Highlights im Sinne von Cholera oder Lebra. Rogers zum Beispiel fand vor einer Woche eine tote Nairobi- Fliege in seinem Nacken, was ihn sehr nervös machte. Als ich ihn fragte, was das Problem sei, erklärte er mir, dass diese Fliege zwar nicht beißt oder sticht, trotzdem ihre Außenhülle giftig ist und eine nicht vorherzusehende Reaktion herbeiruft. Jetzt läuft er mit einer ziemlichen schlimmen faustgroßen Hautirritation herum.
http://en.wikipedia.org/wiki/Nairobi_fly
Zusätzlich, so denke ich, braucht man eine gewisse Grundeinstellung zum Leben selbst, um diese Art von Reise zu starten, welche Krankheiten und Epidemien natürlich nicht außer Acht lässt.












