2011/08/29

Der nächste Tag @ 2011-08-13

Am nächsten Tag fungierte die Direktion wie ausgemacht als Wecker und läutete um 7:00 Uhr morgens ortszeit. Nach dem Frühstück wartete ich wie mit Castro ausgemacht um 8:30 an der Rezeption abholbereit für die weitere Reise, nur kam niemand. Ich fragte an der Rezeption nach, ob eine Nachricht oder ähnliches hinterlassen wurde, aber nein nichts. So beschloss ich zu warten, es wird schon wer kommen der mich zum Busbahnhof bringt, um den richtigen Bus nach Momba zu erwischen. Ein paar Stunden später erschien dann Rashid erneut, der mich abholte. Er entschuldigte sich für die Verspätung und wir brachen auf. Wenn er gewußt hätte, wie es mir beim warten erging, hätte er sich mich Sicherheit aufrichtiger entschuldigt.

Am Busbahnhof angekommen, herrschte anscheinend das erste Mal wirklich Chaos. Jeder sprach mich an, zerrte an mir, ich solle doch in seinen Bus steigen und stresste extrem. Als Rashid einen Bus fand, drückte er mir zwei Flaschen Wasser in die Hand und sagte noch, ich soll beim Liverpool- Hotel in Mombo warten, dort werde ich abgeholt und auf keinen Fall etwas im Bus kaufen, dort sei etwas drinnen, wo ich einschlafe und dann ohne Gepäck munter werde. Toller Anfang...

Der Bus selbst war eine ziemliche Herausforderung, in Bezug auf Platzmangel, Atemnot und Verständnisschwierigkeiten. Gott sei Dank setzte ich mich dann um, zu einem Tansanier der englisch sprechen konnte. Ein paar Minuten später war ich außerdem heilfroh überhaupt einen Sitzplatz bekommen zu haben, weil der Bus so gerammelt voll war, das die Hälftge stehen musste, und wir doch insgesamt 3 Stunden unterwegs waren. Mein Rucksack war auf meinem Schoß, wo er wenigstens sicher war. Der Bus hielt alle 15-30 Minuten an, wo noch mehr Leute zustiegen. Das endete dabei das Personen sich außen dranklammerten und so mitfuhren, bzw. auf dem Dach mitfuhren. Ich fand das irgendwie witzig, konnte mich aber aus Angst meine Kamera zu "verlieren", nicht dazu überwinden, ein Foto zu machen. Zusätzlich passierte der Bus auch Haltestationen, wo Verkäufer ihre Waren anpreisen konnten, meist Früchte wie Passionfruit, Gooseberry oder Advocados oder Wasser. Geheuer war mir das aber alles nicht, ich wollte eigentlich nur ankommen.

 Laut Castro sollte ich um 14:00 in Mombo abgeholt werden, wo wir um 14:30 am Busbahnhof ankamen, natürlich weit und breit kein Liverpool-Hotel zu sehen. Da es mir auch langsam wurscht war alles, so fertig wie ich war, fragte ich nach dem nächsten Taxi, das echt "zufällig" genau vor mir stand und fragte nach dem Liverpool-Hotel. Erstaunlicherweise war alles kein Problem, also stieg ich ein und wir fuhren los, eigenartigerweise sah dieses Fahrzeug aber echt nicht wie ein Taxi aus, zusätzlich fuhren wir wieder die Strecke zurück aus der Stadt hinaus. Als ich es dann mit der Angst zu tun bekam, waren wir dann auf einmal da. Die Tafel vor mir, auf welcher Liverpool-Restaurant stand, zauberte ein Lächeln in mein Gesicht. Ich gab dem Taxifahrer 4000 Tsh, das sind umgerechnet 2€ und bedankte mich recht herzlich. Er erklärte mir noch, ich solle mich ins Restaurant setzen, das wäre sicherer und ich erwiderte, danke aber ich werde schon abgeholt.

Irgendwie war der Spaß aber wieder nicht vorbei, weil niemand auf mich wartete. Also setzte ich mich wieder einmal hin, natürlich ins Restaurant und wartete. Das Ambiente dort machte den Anschein einer Raststation mit SB-Büffet, ich wagte es aber nicht mich vom Fleck zu rühren. Vor dem Restaurant passierten immer wieder Reisebusse den Weg, viele machten auch halt und kehrten ein.

Nach einer Stunde machten mir ein paar Jugendliche aus Kenia, so fand ich zumindest mit meinem Lonley Planet heraus, dann doch etwas zu schaffen mit ihren fragenden und suchenden Blicken. Zusätzlich kam ich mir ziemlich strange vor, da mich wirklich jeder die ganze Zeit über musterte und niemand auftachte, um mich abzuholen. Als es mir dann zuviel wurde, nahm ich meinen Rucksack und ging hinaus ins Freie. Dort fragte ich mich dann vorsichtig durch nach einer Möglichkeit zum Internet. Verstanden hat mich niemand, aber ich wurde von ein paar alten tansanischen Frauen eingeladen an einer Imbissbude Platz zu nehmen. Sie sahen relativ vertrauenswürdig aus, so bin ich mein Risiko eingegangen und wartete dort weiter. Als es mir dann schon echt zu lange dauerte, gefühlsmässig den halben Tag, kam dann doch noch Gott sei Dank Father Ambrosi, der mich abholte.

Wir fuhren daraufhin wieder nach Mombo auf den Marktplatz, ein paar Kleinigkeiten besorgen, und ein Pfarrheim besuchen. Die Bewohner des Pfarrheims waren sehr freundlich und spendierten mir gleich ein Bier. Bei ihren Gesprächen konnte ich leider nicht mithalten, so gut waren meine Suaheli-Kenntnisse auch noch nicht. Anschließend am Marktplatz lies Fa. Ambrosi mich beim Wagen zurück und besorgte ein paar Dinge.



Nach einiger Zeit wurde mir ein wenig langweilig, deswegen begann ich aus dem Toyota Pathfinder heraus Fotos zu schießen. Das erregte die Aufmerksamkeit von einigen Kindern. Ein ca. 6 Jahre alter Junge kam herbei und schaute mich fragend an. Als ich ihn fragte, ob ich ein Foto machen könnte, wollte er Geld dafür. Ich gab ihm 1000 Tsh und er lief mit einem unverständlichen Gebrüll davon und freute sich, mich reingelegt zu haben. Ein weiteres Kind probierte es dann ebenfalls, doch war ich diesmal klug genug zuerst das Foto zu machen.



Trotzdem erregte diese Situation die umgebende nächstgelegende Öffentlichkeit und binnen einer halben Minute standen 40 Kinder um mich herum. Da ich für das Foto ausgestiegen war, bekam ich es mit einem unangenehmen Gefühl zu tun und begab mich wieder ins Fahrzeug. Die Kinder waren aber so anhänglich, dass es mir nicht möglich war, die Türe zu schließen. Es wurden immer mehr, und sie durchbohrten mit Blicken immer mehr das Fahrzeuge auf der Suche nach etwas Kostbarem. Ich verschloss die Türen von innen und versuchte Ruhe zu bewahren. Die Erwachsenen, die auf dem Marktplatz mitbekommen hatten, was sich hier abspielt, begannen mit zu reden und zu lachen, wodurch sich natürlich wiederum noch mehr Nervousität in mir breit machte. Ich war so heil froh, als dann Father Ambrosi kam und die Situation auflöste, dass ich ihm deswegen ein Bier ausgeben wollte.

Nachdem alles erledigt war, fuhren wir zum ersten Ziel meiner Reise, Kwalukonge, wo die Rosminians, eine katholische Gemeinschaft, eine Art Spital errichtet haben und wo auch das sogenannte Eye- Camp stattfand.
Auf dem langen Weg zum Eye- Camp verliesen wir immer mehr die Zivilisation, vorbei an Sisal-Feldern und vorbei an Eingeborenendörfern über ein Pfarrheim und eine Art Kloster der Rosminians.

Am Landgut angekommen waren wir weit weg vom Leben mitten im Nirgendwo. Der Boden bestand aus rotbraunem ausgetrocknetem Lehm und um uns herum nur ausgetrockente Büsche. Wilde Hunde spielten im Müll, der einmal in der Woche verbrannt wird und Geckos, Salamander und Co. verbreiteten Unruhe im Gebüsch. Gerhard, mit dem ich die Reise organisert habe und Andrea empfingen mich herzlich und mit einem echt guten gemeinsamen Abendessen und ein paar Bier gings in einer recht ansehnlichen & relativ neuen Lehmhütte ab ins Bett.