2011/08/30

Das Village im Dschungel

Gestern morgen fragte mich Father Francis, ob ich Lust hätte mit ihm in ein Dorf namens Kwai mitzufahren und mir dort seine Messe anzusehen. Da es Sonntag war und ich sowieo nichts besonderes vorhatte, stimmte ich zu und wir fuhren um 9:00 Uhr morgens los in Richtung Usambara-Hochgebirge. Auf den ersten 10 Kilometern war die Strasse noch halbwegs in Ordnung, dann fing sie an, die Rallye. Wir passierten viele Dörfer und drangen immer höher und weiter in den Dschungel vor. Viele Pendler, die zu Fuß ihren Weg nach Lushoto auf den Markt bestreiten mussten, kamen uns entgegen und je weiter wir dem Ziel entgegenkamen, desto dichter wurde die Landschaft. Selbst die ersten Flüsse mit Wasserfällen sind mir hier untergekommen. Kurz vor unserem 60 km entfernten Ziel fuhren wir noch bei einem riesigen wirklich schönem und gepflegten Grundstück vorbei, dem des vorigen Präsidenten.



Angekommen in der Ortschaft war ich direkt verblüffte wie zivilisiert es hier ist, die Kirche für hiesige Verhältnisse recht groß, daneben ein Gesundheitszentrum und jede Menge neuwertige Einrichtungen. Die Gemeinde war hauptsächlich christlich und deswegen investierten hier sehr viele Communities in deren Entwicklung.
Nach einem zweiten Frühstück mit dem dort ansässigen Priester begann die Messe. Der erste Eindruck war dann doch weitaus positiver als ich es mir erwartet hätte. Der Innenraum strahlte durch verschiedene bunte Farben und die Menschen waren mit voller Begeisterung bei der Sache. Mit ganzer Kraft und Strahlen in den Augen trommelten, tanzten und sangen die Einheimschen ihre Lieder und erschuffen eine wirklich ereignisreiche Aufführung. Man sah, dass die Menschen hier an die Religion glauben und sie das Einzige ist, dass sie wirklich hält. Die Frauen putzten sich heraus und zogen die schönsten Kleider an, die Männer versuchten sich hilfsbereit einzubringen wo es nur geht. Den Ablauf der Messe kennt jeder auswendig und voller Enthusiamus strebt jeder die Perfektion an. Suaheli-Kirchenlieder klingen sehr viel mehr nach Freude, nach Begeisterung und Lebensqualität. Die Menschen versuchen sich in die Zeremonie einzubringen, wo es nur geht und die meiste Zeit, steht der Pfarrer scheinbar eher im Hintergrund. Die Dinge, die er dann doch predigt sind voller Freude und Spaß, es passierte sehr oft, dass die Menge zum lachen begann.



Ich werde zwar jetzt sicherlich nicht zum religiösen Fanatiker, trotzdem war es spannend zu sehen, dass es auch anders gehen kann.

Natürlich stand ich auch hier wieder wie ein Publikumsmagnet im Vordergrund unter dem Motte, "mzungu" und wurde die ganze Zeit über gemustert von allen Altersgruppen.

Als nach zwei Stunden (!!!) die Show vorbei war, spaziete ich noch ein wenig durch die Landschaft mit Rogers und Olivia, einer ehem Schülerin der Schule, wo ich unterrichte, bis wir wieder unsere Heimreise antraten.

Auf dem Heimweg wollte Francis noch Bohnen besorgen und so blieben wir in einem Slums, 20 km von Lushoto entfernt, stehen und zu handeln. Nachdem er sich mit einem Jugendlichen geeinigt hatte, stieg er zu uns ins Fahrzeug und wir fuhren 20 Minuten direkt durch die Slums bis die Breite des Weges zu schmal wurde. Anschließend spazierten wir gut 40 Minuten immer tiefer in die Slums hinein. Es war das erste Mal, dass ich diese Art von Lebensumständen aus direkter Nähe zu sehen bekam.  Die Häuser waren aus Erde gebaut mit einer Armierung aus Holzstöcken und einem Dach aus Stroh. Gut, bei den Masai sah ich die Wohnqualität ebenso schon, trotzdem war es hier schlimmer, den dazu kam der moderne Müll des letzten Jahrhunderts und ein disharmonisierender Umgang mit der Natur. Ich sah tote Tiere auf dem Weg liegen, daneben saßen Kinder und spielten. Ich sah Waschplätze, was das Wasser mit einer Schicht Öl bedeckt war und riesiger Löcher im Boden, wo der Müll zeitweise verbrannt wurde. Die Leute hier waren bedeckt von Schmutz und stanken extrem. Die Kinder riefen wieder alle "mzungu" und rannten uns hinterher. Die Gegend war an einem Berghang entstanden mit mindestens 60 Grad Steigung. Viele der hier wohnenden Menschen hatten nur sehr wenig Kleidung an. Angekommen beim "Landwirt" begann eine Diskussion, denn die Bohnen waren nicht trocken und hatten Ungeziefer. Das Gebäude war ebenfalls aus Erde gebaut. Es gab hier kein fliessend Wasser und keinen Strom. Die Ziegen frassen den Müll sowie auch die Hühner. Wir verliesen den Ort wieder, nachdem sie sich nicht einig wurden, es wird mir aber als ein wirklich erschreckendes Erlebnis für immer im Gedächtnis bleiben.

           übersetzt: Restaurant

Zu Hause erzählte mir der Pfarrer, dass die kommende Woche Ramadan-Ende für die Moslems ist, wo die Schüler zwei oder drei Tage schulfrei haben, genau weiß man das vorher nie, weil es in Mekka am Tag genau augerufen wird und dass es sich hierbei um ein Ereignis handle, welches in Städten mit hohem Moslemanteil ordentlich gefeiert wird. Eine Stadt davon ist Tanga, Tansanias drittgrößte Stadt mit ca. 1-5 bis 2 Millionen Einwohner. Ich machte mir mit ihm aus, dass ich während der freien Tage Tanga besuchen möchte, und vereinbarte heute Nachmittag zu starten.